FIELD NOTES · Der INNENFELD Blog

FIELD NOTE 04 · Mental Health & Regulation

Mentale Erschöpfung, Burnout und Depression – wenn Ruhe allein nicht mehr ausreicht

Über chronischen Stress, Mental Health und die Frage, warum Regeneration manchmal mehr braucht als eine Pause

Irgendwann reicht ein freier Abend nicht mehr.

Vielleicht bist du erschöpft – und gleichzeitig innerlich angespannt. Der Körper verlangt nach Ruhe, während der Kopf weiterarbeitet. Konzentration kostet mehr Kraft, die Reizschwelle sinkt, Schlaf erholt weniger. Du funktionierst weiter, obwohl deine Ressourcen längst knapper geworden sind.

Das kann Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen betreffen. Besonders vertraut ist diese Dynamik jedoch vielen, die beruflich über längere Zeit unter hoher Verantwortung und hoher Taktung arbeiten: Führungskräften und Geschäftsführer*innen, Gründer*innen und Selbstständigen ebenso wie Menschen in Consulting, Tech, Finance, Legal, Medizin oder kreativen Berufen.

Wenn hohe Anforderungen zum Dauerzustand werden

Dass Stress und mentale Erschöpfung weit verbreitet sind, zeigen aktuelle Daten.

Im TK-Stressreport 2025 geben 66 Prozent der Menschen in Deutschland an, häufig oder manchmal gestresst zu sein. Besonders häufig wird dabei der hohe Anspruch an sich selbst als Stressfaktor genannt. Bei Menschen, die sich häufig oder manchmal gestresst fühlen, treten Erschöpfung, innere Unruhe und Schlafprobleme deutlich häufiger auf. Für Berlin und Brandenburg ist die Belastung besonders auffällig: 78 Prozent der Befragten geben an, häufig oder manchmal gestresst zu sein. [1]

Auch bei Führungskräften lohnt sich ein genauerer Blick. Daten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigen, dass Führungskräfte häufiger mit emotionalen Anforderungen konfrontiert sind. Bei hochqualifizierten Führungskräften treten zudem überlange Arbeitszeiten häufiger auf. Das bedeutet nicht, dass Führungskräfte grundsätzlich psychisch kränker wären als andere Menschen. Entscheidend sind vielmehr Arbeitsintensität, Verantwortung, emotionale Anforderungen und die Möglichkeit ausreichender Regeneration. [2]

Für Selbstständige und Unternehmer*innen zeigt sich ein ähnlicher Zusammenhang. Eine 2024 veröffentlichte deutsche Studie mit 117 Selbstständigen fand einen signifikanten Zusammenhang zwischen hohen quantitativen Arbeitsanforderungen und mentaler Erschöpfung. Auch selbstgefährdende Arbeitsweisen wie das Weiterarbeiten trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung spielten eine Rolle. [3]

Es geht nicht darum, anspruchsvolle Arbeit grundsätzlich zum Problem zu erklären.

Hohe Verantwortung kann erfüllend sein. Selbstständigkeit kann große Autonomie ermöglichen. Ein intensiver Beruf kann als sinnvoll und bereichernd erlebt werden.

Die entscheidende Frage ist vielmehr:

Kann der Organismus zwischen Aktivierung und Erholung noch ausreichend wechseln?

Stress ist nicht nur eine Sache des Kopfes

Stress ist kein ausschließlich gedankliches Phänomen.

Auch das autonome Nervensystem reagiert auf Anforderungen. Der Sympathikus unterstützt Aktivität, Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft. Der Parasympathikus steht stärker mit Ruhe, Regeneration und Wiederherstellung in Verbindung.

Aktivierung ist zunächst vollkommen normal. Wir brauchen sie, um zu arbeiten, Entscheidungen zu treffen und auf Anforderungen reagieren zu können.

Schwieriger kann es werden, wenn hohe Bereitschaft über lange Zeit bestehen bleibt, während echte Erholungsphasen immer kürzer oder weniger wirksam werden.

Dann entsteht manchmal ein widersprüchlicher Zustand:

Der Körper ist erschöpft, aber innerlich kommt keine wirkliche Ruhe auf.

Der Kopf bleibt aktiv. Man schläft, fühlt sich aber trotzdem nicht erholt. Freie Zeit führt nicht automatisch dazu, dass sich das eigene System wieder ruhig und ausgeglichen anfühlt.

Wie äußert sich Burnout – und welche Symptome überschneiden sich?

Die Begriffe werden häufig nebeneinander verwendet, obwohl sie unterschiedliche Dinge bezeichnen.

Mentale oder chronische Erschöpfung kann im Zusammenhang mit anhaltender Belastung oder chronischem Stress entstehen.

Burnout beschreibt nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten der WHO ein arbeitsbezogenes Phänomen infolge chronischen, nicht erfolgreich bewältigten Arbeitsstresses. Typische Symptome von Burnout sind Erschöpfung, zunehmende mentale Distanz zur eigenen Arbeit und eine verminderte berufliche Leistungsfähigkeit. Burnout wird dabei nicht als eigenständige medizinische Erkrankung klassifiziert. [4]

Eine Depression ist dagegen eine psychische Erkrankung. Zu möglichen Symptomen gehören neben anhaltend gedrückter Stimmung oder Interessenverlust auch Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen sowie ausgeprägte Müdigkeit oder Energielosigkeit. [5]

Einzelne Erfahrungen können sich also überschneiden, ohne dass die Begriffe dasselbe bedeuten. Gerade deshalb sollte länger anhaltende oder ausgeprägte Erschöpfung nicht einfach als normales Bedürfnis nach etwas mehr Schlaf abgetan werden.

Wenn auch Erholung wieder zur Aufgabe wird

Viele Strategien gegen Stress sind sinnvoll – verlangen aber erneut Aktivität.

Meditation braucht Aufmerksamkeit. Bewegung braucht Energie. Atemübungen müssen ausgeführt, Routinen verändert, Grenzen gesetzt und Situationen reflektiert werden.

Das kann sehr hilfreich sein.

Aber es gibt auch Phasen, in denen selbst Regeneration zum nächsten Punkt auf der To-do-Liste wird.

Gerade Menschen, die im Beruf ständig entscheiden, steuern, organisieren, kommunizieren oder Verantwortung tragen, kennen möglicherweise dieses Muster:

Auch das Abschalten soll noch effizient funktionieren.

Dann kann ein Zugang interessant sein, bei dem nicht eine weitere Technik erlernt oder eine zusätzliche Leistung erbracht werden muss.

Nicht als Ersatz für notwendige Veränderungen.

Sondern als anderer Zugang zu Körper, Wahrnehmung und innerem Erleben.

Körperenergetische Feldarbeit © als anderer Zugang

An dieser Stelle wird für mich körperenergetische Arbeit interessant.

Meine Körperenergetische Feldarbeit © ist eine besondere Form körperenergetischer Arbeit, bei der der Zugang nicht ausschließlich über Sprache, Denken oder aktives Üben erfolgt. Sie bezieht das körpernahe Feld in die Arbeit ein und setzt offen beim gegenwärtigen Erleben an.

Gerade in Phasen hoher geistiger und emotionaler Beanspruchung kann darin eine besondere Qualität liegen. Für eine begrenzte Zeit treten äußere Anforderungen zurück. Wahrnehmung bekommt wieder mehr Raum.

Klient*innen erleben solche Sitzungen unterschiedlich. Manche beschreiben tiefe Ruhe, stärkere Sammlung oder körperliche Präsenz. Manche erleben, dass Spannung nachlässt oder sie sich anschließend klarer und stärker bei sich fühlen. Andere nehmen während der Sitzung wenig Besonderes wahr und bemerken Veränderungen erst später.

Die Feldarbeit ist für mich dabei nicht einfach eine Entspannungspause. Ruhe schafft vielmehr einen Rahmen, in dem körperenergetisch gearbeitet wird. Die gesetzten Impulse können emotionale Lösungsprozesse sowie psychische und körperliche Regulation unterstützen. Auch eine einzelne Sitzung kann Prozesse anstoßen, die über den Termin hinaus weiterwirken.

Gerade wenn dein Alltag stark von Denken, Kontrolle, Entscheidungen und Verantwortung geprägt ist, kann dieser andere Zugang interessant sein: nicht noch mehr analysieren zu müssen, sondern deinem eigenen Erleben wieder Raum zu geben.

Wahrnehmen, was sich im Feld zeigt

Zur Feldarbeit gehört für mich noch eine weitere Ebene.

Es kommt vor, dass ich während der Feldarbeit das Feld in unterschiedlichen Qualitäten wahrnehme. Welche Eindrücke sich zeigen und wie deutlich sie sind, ist individuell verschieden.

Wenn eine Wahrnehmung für die jeweilige Sitzung relevant erscheint, kann sie anschließend in den Austausch einfließen.

Ich verstehe solche Eindrücke nicht als medizinische Diagnose, sondern als Wahrnehmungsimpulse innerhalb der Feldarbeit, die zusätzliche Hinweise für das Abschlussgespräch geben können.

Auch das eigene Erleben der Klient*innen kann während einer Sitzung sehr unterschiedlich sein.

Es gibt keinen bestimmten Zustand und keine bestimmte Empfindung, die eintreten muss.

Die Körperenergetische Neuausrichtung ©

Meine Körperenergetische Neuausrichtung © setzt einen anderen Schwerpunkt. Sie ist nicht einfach eine längere oder doppelte Feldarbeit, sondern ein eigenständiges Zwei-Phasen-Format innerhalb eines Tages.

Die erste Phase öffnet und bringt in Bewegung. Danach folgt eine geschützte Ruhe- und Übergangszeit. Die zweite Phase nimmt die begonnene Bewegung auf, verbindet weiter und führt den Prozess zu einer neuen Ausrichtung.

Während die Körperenergetische Feldarbeit © offen beim gegenwärtigen Erleben ansetzt, folgt die Neuausrichtung einer eigenen, fest aufgebauten Abfolge und richtet sich auf das körperenergetische Feld als Ganzes. Der Unterschied liegt in Struktur, Ausrichtung und Umfang des Prozesses – nicht einfach in einer stärkeren Wirkung.

Burnout behandeln und was tun gegen Depression?

Wer Burnout behandeln lassen möchte oder sich fragt: „Was tun gegen Depression?“, braucht eine fachgerechte medizinische beziehungsweise psychotherapeutische Abklärung und Behandlung. Länger anhaltende mentale Erschöpfung kann sich als innere Unruhe, Schlafprobleme, körperliche Anspannung oder als ausgeprägte Kraftlosigkeit bei gleichzeitiger innerer Unruhe zeigen.

Deshalb halte ich es für sinnvoll, mentale Gesundheit nicht ausschließlich über die kognitive Ebene zu betrachten. Je nach Situation können Veränderungen im Arbeitsalltag, soziale Unterstützung, Bewegung und Erholung sowie ärztliche oder psychotherapeutische Begleitung notwendig sein. Ergänzend kann ein Zugang über Körperwahrnehmung und Regulation Raum bekommen.

Gerade wenn du im Alltag viel Verantwortung trägst, kann es entlastend sein, für eine begrenzte Zeit nicht führen, entscheiden oder optimieren zu müssen – nicht als Flucht vor den eigentlichen Problemen, sondern als Möglichkeit, wieder stärker mit deinem Körper und deinem gegenwärtigen Zustand in Kontakt zu kommen.

Körperenergetische Feldarbeit © und Körperenergetische Neuausrichtung © ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik oder Behandlung bei Depression, Burnout oder anderen Erkrankungen.

Quellen und weiterführende Literatur

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